Espressioni Futura
Beschreibung
Espressioni Futura. Grappa Riserva, vier Jahre Eiche, ein Jahr Sonderfass.
Espressioni Futura ist der Jahrgangs-Grappa der Distilleria Marzadro aus roten und weißen Trentiner Trestern, vier Jahre in Eiche gereift und ein weiteres Jahr im Marsala-Fass. Kein klarer Grappa, kein Dauersortiment, keine Mixzutat.
Espressioni Futura ist die einzige Abfüllung im Haus Marzadro, deren Rezept sich jedes Jahr ändert. Andrea Marzadro wählt für das letzte Reifejahr ein anderes Fass, und damit verschiebt sich das ganze Aroma. In der Edition 2026 lag der Brand ein Jahr in Fässern, in denen zuvor Marsala reifte, der Likörwein aus dem Westen Siziliens. 2.500 nummerierte Flaschen, jede in einer runden Geschenkdose. Wer eine davon aufmacht, öffnet einen Jahrgang, den es so nicht wieder gibt.
Was ein Marsala-Fass im Glas hinterlässt
Marsala reift selbst jahrelang in Eiche und gibt dabei an das Holz ab, was ihn ausmacht. Trockenfrucht, Mandel und Karamell bleiben zurück, dazu ein Zug Feige und Dattel. Genau das nimmt der Futura im fünften Jahr wieder auf.
Der Likörwein aus dem Westen Siziliens hat diese Fassreife seit über zweihundert Jahren. Der Engländer John Woodhouse verschiffte 1773 die ersten Fässer nach London, und seither lagert Marsala aus Grillo, Catarratto und Inzolia in Holz. Je länger ein Fass getragen hat, desto mehr kann es an den nächsten Inhalt weitergeben.
Im Glas zeigt er ein tiefes Bernstein mit rötlichem Schimmer. In der Nase steht zuerst die Trockenfrucht, darunter Nuss und die Holzwürze aus vier Jahren Eiche. Am Gaumen ist er weinig und samtig, mit einer Süße, die aus dem Fass stammt und nicht aus dem Zucker. Der Abgang ist lang und wärmend, ohne zu brennen. Trocken bleibt er trotzdem, wie es sich für einen Tresterbrand gehört.
Wer einen klaren, frischen Grappa erwartet, greift hier daneben. Der Futura ist das Gegenteil davon: gereift, dunkel, wuchtig. Auch als Zutat in Cocktails ist er nicht geeignet, weil sein Fassaroma jede Mischung dominiert. Wer den Unterschied zwischen einem jungen und einem lang gereiften Tresterbrand noch nie geschmeckt hat, sollte mit einer einfacheren Riserva einsteigen.
Zimmertemperatur, Tulpenglas, nichts dazu
Der Futura will keine Kühlung und keine Eile. Servieren Sie ihn bei 18 bis 20 °C in einem Glas, das sich nach oben verjüngt, damit die Trockenfrucht in der Nase bleibt. Ein Nosing-Glas oder ein kleines Tulpenglas reicht völlig.
Nach dem Essen passt er zum Espresso, im Wechsel getrunken, nicht hineingegossen. Zu dunkler Schokolade ab 70 Prozent Kakao funktioniert er ebenso, weil die Bitterkeit das Fassaroma stützt. Cantuccini sind die naheliegendste Begleitung, denn Mandelgebäck und Marsala-Fass kommen aus derselben Richtung. Auch zu reifem Blauschimmelkäse ist er einen Versuch wert: Salz und Trockenfrucht ergänzen sich, wo ein junger Grappa nur scharf wirken würde.
Als Speisenbegleiter während des Essens taugt er dagegen wenig. Sein Fassaroma steht zu weit vorne und überdeckt fast jedes Gericht. Sein Platz ist danach, im kleinen Glas, wenn die Teller abgeräumt sind. Rechnen Sie mit 2 bis 4 cl pro Person, mehr braucht es an einem Abend nicht.
Aus Erfahrung: Lassen Sie das eingeschenkte Glas fünf Minuten stehen, bevor Sie daran riechen. Der Alkohol verfliegt an der Oberfläche, und darunter kommen Dattel und Karamell deutlicher hervor. Wer den Vergleich sucht, stellt den Solera aus fünf Jahrgängen daneben oder den Aromatica aus zwei Duftreben.
Angebrochen hält sich der Futura lange, anders als ein Likör. Verschließen Sie die Flasche gut und stellen Sie sie stehend in den Schrank, dunkel und bei Zimmertemperatur. Liegend gelagert greift der Alkohol den Korken an. Ist die Flasche zur Hälfte leer, verändert sich das Aroma über Monate langsam, weil mehr Luft im Hals steht. Das ist kein Mangel, sondern ein Grund, nicht zu lange zu warten.
Jedes Jahr ein anderes Fass, jedes Jahr 2.500 Flaschen
Futura heißt Zukunft, und genau so ist die Reihe angelegt. Andrea Marzadro sucht für das letzte Reifejahr jedes Mal ein neues Fass, damit kein Jahrgang dem vorigen gleicht. 2022 kamen die Fässer vom Brunello, 2023 vom Amarone, 2024 aus einer Whiskybrennerei in Tennessee, nun aus Sizilien.
Die Basis bleibt dabei unverändert. Rote und weiße Trester aus dem Trentino werden im Wasserbad destilliert, italienisch bagno maria. Der Trester wird nicht direkt beheizt, sondern über heißes Wasser, damit die Wärme gleichmäßig ankommt und nichts am Kesselboden anbrennt. Gebrannt wird zwischen September und Dezember, solange die Trester noch feucht vom Most in die acht Kupferkolben kommen. Anschließend werden die Destillate verschnitten, bevor sie ins Fass gehen, nicht danach.
Vier Jahre Eiche bauen das Gerüst, das fünfte Jahr im Sonderfass setzt die Handschrift. Sind 2.500 Flaschen gefüllt und nummeriert, ist der Jahrgang beendet. Nachbestellen lässt sich nichts, denn ein Jahr später steht ein anderes Fass im Keller in Nogaredo. Nebeneinandergestellt ergeben die Jahrgänge eine kleine Bibliothek: gleiche Basis, andere Handschrift.
Die Brennerei selbst steht seit 2004 in einem Neubau, einen Kilometer von Brancolino entfernt. Acht Kupferkessel stehen dort im Kreis unter einem Glasdach, dahinter liegen die stillen Reifekeller mit den Fässern. Begonnen hat alles deutlich kleiner: Sabina Marzadro baute 1949 mit einem Kupferschmied ihren ersten Brennkolben. 1960 übernahm ihr Bruder Attilio, heute führen dessen Kinder Andrea, Anna und Stefano das Haus. Die Espressioni-Linie ist das, was sich die Familie selbst gönnt: wenige Flaschen, viel Zeit, keine Wiederholung.
Eine Flasche mit Nummer und Dose
Was den Futura von anderen Grappa Riserva unterscheidet, ist die Absicht dahinter. Er ist keine Abfüllung, die ein Sortiment vervollständigt, sondern ein jährliches Experiment mit festem Ende. Auf dem Etikett steht die Nummer der Flasche, und die runde Geschenkdose macht jede Verpackung überflüssig.
Damit eignet er sich für Anlässe, bei denen ein Jahrgang zählt: ein rundes Geburtstagsjahr, ein Firmenjubiläum, ein Abschied. Für Sammler ist er ohnehin gesetzt, weil sich die Reihe über die Jahre füllt. Und wer ihn selbst öffnet, hat einen Grappa im Schrank, den der Nachbar so nicht nachkaufen kann.
Ein Hinweis für Schenkende: Die Dose ist stabil genug für den Versand, aber nicht für die Ewigkeit gedacht. Wer die Flasche über Jahre stehen lassen will, nimmt sie besser heraus und stellt sie dunkel in den Schrank. Auf dem Etikett bleibt die Nummer ohnehin lesbar.
Ein Jahrgang, der ein Jahr lang Sizilien im Fass hatte und danach nicht wiederkehrt.
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